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Lisa Pei: Die Kandidatin

Berlin: Rütten und Loening 2001, € 20

Mord aus Rache?

von Bernadett Nierkamp

"Darf ich zur Klärung einer wichtigen Frage das Brautpaar einen kurzen Augenblick nach draußen bitten?" Mit der darauf folgenden Verhaftung des Bräutigams Manuel Jorn endet der erste Teil des Krimis Die Kandidatin. Die Polizei wirft ihm vor, eine junge Frau namens Jana Birg während eines Kurzurlaubes in Marburg im Affekt erstochen zu haben.
Zum Ende des zweiten Teils wird Jorn ein weiterer Mord angelastet: aus Rache über einen zurückgezogenen Werbeauftrag soll er – wenige Tage vor dem anderen Mord – die Kanzlerkandidatin Norma Noske umgebracht haben. Das Bundeskriminalamt kann bald eine Verbindung zwischen den beiden Fällen herstellen. Ein Erpresserschreiben zeigt, dass es für den ersten Mord eine Augenzeugin gab: Jana Birg. Hier scheint das Motiv für ihren Tod zu liegen. Die Beweislage ist erdrückend, doch Manuel beteuert immer wieder seine Unschuld. Beharrlich schweigt er über die wirklichen Ereignisse. Nach dieser zweiten Anklage jedoch ist Jorns Verlobte Verena von dessen Unschuld gänzlich überzeugt, denn"es gibt Dinge, die er niemals tun würde. Und dazu gehört der kaltblütige Plan eine Frau wie Norma Noske zu ermorden." Wenn Jorn also den einen Mord nicht beging – so folgert Verena – hat er auch Jana Birg nicht umgebracht. Für die Polizei allerdings ist der Fall erledigt. Doch Manuels Verlobte stößt auf eine neue Spur, die ihn entlasten könnte. Vorausgesetzt es gelingt ihr, die Polizei von seiner Unschuld zu überzeugen...

Bis zum Ende bleibt Die Kandidatin spannend. Die Politik aber spielt, trotz des Titels und des eigentlich brisanten Mordes an einer Kanzlerkandidatin, nur eine geringe Rolle. Auch die Verdächtigen stammen nicht aus diesem Umfeld. Doch wer ist dann der Täter? Bewusst werden dem Leser wichtige Hinweise vorenthalten oder falsche Informationen geliefert. Manuel behauptet zum Beispiel zuerst, sich von Jana Birg vor der Haustür verabschiedet zu haben. Während des Prozesses muss er diese Aussage revidieren und zugeben, dass sie ermordet wurde, während er sich noch im Haus aufhielt. So bleibt dem Leser zunächst keine andere Wahl, als an Jorns Schuld zu glauben. Zum einen hat er ein Motiv für den Mord, zum anderen werden die Hinweise auf einen möglichen anderen Täter so geschickt eingebunden, dass sie erst im Nachhinein als solche erkannt werden.
Allerdings wirken das Motiv für die Morde und die Tatumstände sehr konstruiert. Durch die chronologische Erzählform, die Darstellung des Prozesses sowie die Gespräche über den Verlauf der Ermittlungen zwischen dem Kommissar und seiner Kollegin sind die Schlussfolgerungen für den Leser aber verständlich, sodass er der Handlung immer folgen kann. Vor allem die durchgängige Spannung und die überzeugend geschilderten Charaktere machen diesen Krimi zu einem Lesevergnügen.

Juni 2001


Die Autorin:

Lisa Pei (Pseudonym)
wurde 1947 in Köln geboren, wo sie auch heute lebt und als Sozialpädagogin im Schuldienst tätig ist. Sie begann in den neunziger Jahren mit dem Schreiben von Kriminalromanen und -erzählungen und hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Lisa Pei ist Mitglied der Krimiautorenvereinigung „SYNDIKAT”.