zurück zur Seitenanfang

Maria Regina Kaiser: Wohin ich gehöre

München: Bertelsmann 1999, € 12,45

Zwischen den Kulturen

Panja Winkendick

"Ich bin Muslima. Aber das eine Mal gehe ich trotzdem in die Disco." Ist Gülten wirklich eine Muslima? Seit ihrem letzten Türkeiurlaub ist Gülten, die einen deutschen Vater und eine türkische Mutter hat, in einem türkischen Jungen verliebt. Sie weiß seitdem nicht recht, wo sie hingehört. Deutschland oder Türkei? Abends sitzt sie oft mit ihrem Dede (Großvater) am Küchentisch und hört ihm aufmerksam zu, wenn er über die Sitten und Gebräuche des Islams erzählt. Am liebsten hört sie die Geschichten über die Derwische. Von Tag zu Tag orientiert sich ihr Leben immer mehr an dem Islam und sie denkt fast ununterbrochen an Mesut, den türkischen Jungen. Das Traumbild, das sie sich von ihm aufgebaut hat, wird im nächsten Urlaub in der Türkei jedoch völlig zerstört. Dadurch sieht sie auch den Islam mit anderen Augen und findet nach einem langen Weg endlich ihre wahre Identität.

Der Roman handelt nicht nur von der Identitätssuche der 16-jährigen Gülten. Hier wird gleichzeitig in Grundzügen die Kultur des Islams dargestellt. Die Autorin, Maria Regina Kaiser, recherchierte dafür in der Türkei und unter in Frankfurt lebenden Türken der ersten und zweiten Einwanderergeneration.
Der Text ist verständlich geschrieben und einfach zu lesen. Die türkischen Begriffe, über die man stolpern könnte, werden im Anhang ausführlich erklärt.

Gedacht ist dieser Roman einerseits für Jugendliche, die sich über den Islam informieren wollen und andererseits für diejenigen, die sich selber unsicher sind, zu welcher Kultur sie gehören. Die Geschichte von Gülten läßt diese Jugendlichen erkennen, dass sie nicht allein mit diesem Problem dastehen.
 

März 2000