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Martin Cruz Smith: Nacht in Havanna 

Aus dem Amerikanischen von Kristian Lutze. 
München: Bertelsmann 1999, € 22

Korruption, Spionage und das kubanische Leben

von Nadine Salz

Nacht in Havanna ist nach dem Roman Gorki Park ein weiteres Werk, in dem der russische Ermittler Arkadi Renko mehr oder weniger einsatzfreudig seinem Spürsinn folgen darf.
Vermeintlich von der russischen Botschaft nach Kuba gerufen, um seinem Landsmann und ehemaligen Gegenspieler Sergej Pribluda zu helfen, ist das Erste, was den melancholischen und unfreiwilligen Helden Arkadi Renko nach seiner Ankunft erwartet, eine in der Pinguino-Bucht schwimmende Wasserleiche. Wie Renko mehr und mehr erkennen muss, hat das kubanische Innenministerium allerdings nicht die Absicht, die Leiche eindeutig zu identifizieren.
Privat von dem Tod seiner Geliebten Irina gezeichnet, und damit eher suizidgefährdet als kämpferisch, stößt Renko bei seinen "Ermittlungen" auf Korruption, Spionage und das kubanische Leben. Letzteres lässt ihn und damit den Leser immer wieder bewusst werden, dass zwischen den beiden Ländern Kuba und Russland trotz politischer Gleichgesinntheit Welten liegen. Sein Wissen um einen kubanischen Vertragsbruch mit Russland bringt Renko nicht nur in Lebensgefahr, sondern auch der kubanischen Kommissarin Ofelia Osorio näher. Diese Begegnung hat zur Folge, dass er nach seiner Rückkehr nach Moskau nicht nur seinen charakteristischen schwarzen Kaschmirmantel ablegt, sondern auch seine quälenden Erinnerungen an die glückliche Zeit mit Irina. Um viele Erfahrungen reicher nimmt er auf seine russische Art und Weise schließlich das Leben wieder auf...

Martin Cruz Smith gelingt es besonders gut, das kubanische wie russische Leben zu schildern. Neben der Thematik sorgt auch die Erzählhaltung des Autors für Spannung. So lässt Smith den Leser der Hauptfigur zeitweise im Wissen voraus sein oder hinterherhinken. Um den vielfach verflochtenen Handlungssträngen folgen zu können, sind Ausdauer und Konzentration bei der Lektüre vonnöten. Vor allem für das leichtere Verständnis der politischen Hintergründe des Falles ist zumindest eine Ahnung von den bestehenden und neuentstandenen politisch-wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Staaten Russland und Kuba hilfreich.
Alles in allem ist der Politthriller Nacht in Havanna aber ein lesenswertes Buch, das neugierig auf andere Kulturen und Mentalitäten macht.

März 2000


Der Autor

Martin Cruz Smith
wurde 1943 in Philadelphia als Sohn einer Indianerin und eines Jazz-Musikers geboren und arbeitete zunächst als Journalist. Sein erster Roman-Welterfolg war Gorki Park.