- Zusammenfassung mit Kriterienübersicht -
Ist das Adjektiv "konventionell" noch adäquat, um einen Unterschied zwischen gedruckten und elektronischen Informationsmitteln widerzuspiegeln?
Für Informationsspezialisten gehören CD-ROMs und Online-Dienste zum täglichen Handwerkszeug, in Wissenschaft und Forschung spielen sie als Quellen und Publikationsforen eine zentrale Rolle und mit steigenden Stückzahlen sowie sinkenden Preisen nimmt die Verbreitung elektronischer Informationsmittel bis hin zum Privatanwender immer mehr zu.
Doch wie ist es um die Qualität der Produkte bestellt?
Gedruckte Informationsmittel können anhand fundierter Methoden, die von Informationsspezialisten in der Vergangenheit entwickelt wurden, bewertet werden.
Für elektronische Informationsmittel hingegen wurden von seiten der professionellen Anwender - insbesondere im deutschsprachigen Raum - bis dato kaum adäquate Methoden zur seriösen Evaluation entwickelt.
Auf diesem Sektor bemühen sich andere - mehr oder minder erfolgreich - um Kompetenz. So findet man in EDV-Zeitschriften, Zeitungsfeuilletons, Buchhandelskatalogen und -prospekten sowie im Internet zahlreiche Bewertungen von CD-ROM-Produkten und anderen elektronischen Informationsmitteln. Transparenz der Bewertungsmethoden und Objektivität lassen hier aber zu wünschen übrig; an ihre Stelle tritt oft eine aus Expertensicht völlig unangebrachte Euphorie, die angesichts bunter, bewegter Pseudo-Informationen oft bereits vielen minderwertigen Produkten Qualität bescheinigt.
Evit@
,das Projekt des Fachbereich Bibliotheks- und Informationswesen der FH-Köln, reagiert auf diese Defizite im Bereich "Evaluation elektronischer Informationsmittel" und liefert eine Bewertungsmethode von Informationsprofis für alle Anwender elektronischer Informationsmittel.Die erste Projektphase von
Evit@ dauerte vom Juli ’98 bis März’ 99. Gegenstand dieses Projektes war die Entwicklung eines Bewertungsinstruments, das Aussagen über die Qualität der Produkte durch ein quantifizierendes Verfahren erlaubt. Den Ausgangspunkt des Projektes Evit@ bildete eine umfassende Analyse der insbesondere im anglo-amerikanischen Raum existierenden Literatur über Evaluationsverfahren von CD-ROM-Produkten. Hieraus resultierte ein detaillierter Kriterienkatalog. Dieser Kriterienkatalog ist hierarchisch aufgebaut und verfügt über maximal fünf Ebenen. Prinzipiell kann die Bewertung auf jeder hierarchischen Ebene quantifiziert erfolgen. Aus Gründen der Praktikabilität und Übersichtlichkeit wird im hier entwickelten Verfahren die Quantifizierung nur auf der ersten und zweiten Ebene vorgenommen. Alle hierarchisch untergeordneten Kriterien tragen zur Quantifizierung auf den jeweils darüber liegenden Ebenen bei.Das Ergebnis der Bewertung wird über gewichtete Summenformeln ermittelt. Hierfür wurde eine softwaregestützte Lösung entwickelt. Die Gewichtungsfaktoren können je nach Produkttyp und Anwendungszusammenhang festgelegt werden.
Evit@
konzentrierte sich in der ersten Projektphase auf das Medium CD-ROM. In der zweiten Phase wird eine Ausweitung auf Online-Informationsmittel erfolgen. Darüber hinaus sollen adäquate Methoden zur Bewertung des Inhaltes von Informationsmitteln entwickelt werden. Die ständige Erweiterbarkeit von Evit@ in die genannten und mögliche weitere Richtungen ist durch einen modularen Aufbau gewährleistet.Ziel der zweiten Phase wird es auch sein, Raster für typenspezifische Gewichtungen zu entwickeln. Zur Überprüfung und Weiterentwicklung des Verfahrens werden parallel ständig einzelne CD-ROM-Produkte evaluiert.
Ergebnisse der ersten Projektphase
Es ist ein detailliertes, hierarchisches Kriterienschema mit ca. 450 Einzelkriterien inklusive Erläuterungen und Verweisungen entstanden. Hierauf basierend wurde ein Bewertungsverfahren mit derzeit 31 Bewertungsrubriken, die in sechs Gruppen unterteilt sind, entwickelt [siehe Tabelle].
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0. Grunddaten - Basisdaten |
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1. Benutzungsoberfläche |
1.01 Optische Konzeption |
1.02 Interne Konsistenz |
1.03 Externe Konsistenz |
1.04 Transparente und selbsterklärende Konzeption |
1.05 Fehlermanagement |
1.06 Benutzungsunterstützung (Hilfen) |
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2. Retrieval / Suche / Navigation |
2.01 Suchfeatures und -typen |
2.02 Operatoren / Trunkierungen / Verknüpfungen |
2.03 Indizes / Register |
2.04 Suchfeedback und -performanz |
2.05 Hyperlinks |
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3. DatenausTausch |
3.01 Bildschirmanzeige |
3.02 Druckausgabe |
3.03 Datenspeicherung und -weiterverarbeitung |
3.04 Sonstige Datenausgabe |
3.05 Dateneingang |
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4. Allgemeine Handhabung |
4.01 Installation / Setup |
4.02 Bedienung / Steuerbarkeit |
4.03 Verständlichkeit / Einfachheit |
4.04 Stabilität / Fehlertoleranz |
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5. Multimedia |
5.01 Multimediafunktionalität |
5.02 Fotografien |
5.03 Zeichnungen und grafische Darstellungen |
5.04 Karten |
5.05 3-D-Darstellungen |
5.06 Animationen |
5.07 Videosequenzen |
5.08 Ton |
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6. Inhalt |
6.01 Daten |
6.02 Umfang / Abdeckung / Vollständigkeit |
6.03 Inhalt / Aufbau / Layout der Datensätze |
Innerhalb der
Evit@-Methode müssen Rezensenten für die 31 Rubriken Noten aus folgendem Spektrum vergeben:Anhand von festgelegten typenspezifischen Gewichtungsrastern ermittelt eine Software Resultate für die sechs Rubrikengruppen, die dann zu einem Produktgesamtresultat zusammengeführt werden. Mittels der Gewichtungsraster ist es möglich, auf bestimmte Produkttypen einzugehen. So können einzelne Rubriken oder Gruppen spezifisch gewichtet oder ganz ausgeblendet werden. Bei der Evaluation von Bibliographien oder Telefonverzeichnissen auf reiner Textbasis kann beispielsweise der gesamte Bereich Multimedia problemlos aus der Bewertung ausgeblendet werden. Das Raster ermöglicht ferner, Produkte im Hinblick auf bestimmte Anwendungs- und Aufgabengebiete zu untersuchen.
Die besondere Stärke von
Evit@ liegt in der vergleichenden Analyse von Produkten gleichen Typs. Dadurch werden die validen Informationen gewonnen, die sachgerechte Kaufentscheidungen für Wissenschaftler, Privatverbraucher oder Informationsspezialisten auf seriöser Grundlage ermöglichen.Darüber hinaus steigert die Anwendung von
Evit@ und das Wissen um die darin entwickelten Bewertungsmaßstäbe die spezifische Medienkompetenz der Verbraucher. Evit@ ist somit zugleich ein Instrument, um Verbrauchererwartungen an Produkte zu artikulieren und im Umkehrschluß detaillierte Anforderungen an die Produzenten von elektronischen Informationsmitteln zu formulieren.
Aktueller URL: http://www.fbi.fh-koeln.de/fachbereich/projekte/evit@/evit@zsf.htm
© Evit@ - Fachhochschule Köln - Fachbereich Bibliotheks- und Informationswesen
Letzte Aktualisierung: 26.07.1999 / sl